Norwegen im Sommer

Samstag 02. Juli 2005

Ich persönlich habe auch im Vierbettzimmer in unserer Hütte eine ruhige Nacht verbracht. Kurz vorm einschlafen hörte ich zwar Jochen noch laut schnarchen, aber meine Nachtruhe hat das nicht im Mindesten gestört. Ich wache erst auf, als Holger und Jochen demonstrativ laut in der Küche werkeln und klappern. Ein Blick zur Uhr sagt mir es ist 7.00 Uhr, ein Blick aus dem Fenster, es nieselt.
Die Jungs haben schon den Tisch gedeckt und Kaffee gekocht und wir frühstücken bereits während alle Anderen langsam eintrudeln.
Gegen 9.00 Uhr starten wir auf die nächste Etappe, mittlerweile hat es sich eingeregnet.
Frank führt uns weiter durch die faszinierende Landschaft Norwegens. Es geht zwischen den Bergen am Fjord entlang. Die Berge auf der anderen Seite des Wassers sind Teilweise noch schneebedeckt. Das Schmelzwasser bahnt sich in Bächen und Flüssen seinen Weg in den Fjord. Die Berge rücken näher zusammen und aus dem Fjord wird ein Fluss. Immer wieder trifft man auf tosende Wasserfälle. An einem besonders eindrucksvollen Wasserfall halten wir an und machen Fotos. Vor uns sprüht die Gischt, hinter uns rauscht der Fluss, von oben prasselt der Regen.
Frank macht einen Abstecher zu einer Stabkirche. Norwegen soll für diese Kirchen berühmt sein. Gut möglich, ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass ich keinen Eintritt in eine Kirche bezahle, auch wenn es hier so üblich ist. Daher gibt es zur Kirche von mir auch keinen Kommentar.
Während der Weiterfahrt kommen mir seltsame Gedanken. Die Schneeflecken auf den Bergen werden größer und ich bilde mir ein, sie kommen auf mich zu und der Regen wird zu Schnee. Als Frank in die Berge abbiegt, scheint meine Vision wahr zu werden. Wir erreichen über eine sehr enge Bergstrasse schnell die Schneegrenze. Die Bergseen hier sind mit Eis bedeckt und ich glaube nicht, dass der Schnee jemals ganz taut. Hier oben ist es mir zu kalt und außerdem ist mir Wasser in die Handschuhe gelaufen und meine Finger sind trotz Griffheizung klamm. Frank verspricht mir besseres Wetter und entpuppt sich bald darauf als guter Wetterfrosch, denn bei unserer anschließenden Fahrt durch schneebedeckte Geröllfelder erspähe ich ein Stück blauen Himmel. Der Regen hört auf und die Temperatur steigt von 10 auf etwa 20 Grad.
Unsere Mittagspause machen wir auf einem Picknickplatz. Wir verspeisen die Reste vom Frühstück. Dabei machen wir die Bekanntschaft mit unangenehmen, kleinen Viechern, die beim Stechen rote Punkte hinterlassen.
Frisch gestärkt geht's weiter zur Fähre. Als wir im Hafen ankommen, läuft sie gerade ein und wir fahren gleich drauf. Die Überfahrt ist erneut kurz, aber bis zur nächsten Fähre ist es nur eine kurze Fahrt. Jetzt haben wir weniger Glück und müssen 45 Minuten im Hafen warten. Nachdem wir endlich übergesetzt haben warten wir im Hafen von Hjelmeland während Frank das Hotel sucht.
Als er uns schließlich hinführt, erwartet uns eine doch eher schlichte Unterkunft mit Zimmern ohne Dusche und WC. Es stehen scheinbar entgegen der Buchung nur ein Doppel- und mehrere Mehrbettzimmer zur Verfügung. Holger beklagt, er habe letzte Nacht schlecht geschlafen und besteht auf einem Doppelzimmer.

Einige von uns wollen sich noch den bekannten Felsvorsprung Preikestolen ansehen. Da es bereits nach 16.00 Uhr ist, müssen wir uns etwas beeilen. Es ziehen Wolken auf und unsere Wirtin sagt Regen voraus. Wir müssen noch etwa 70 km mit dem Motorrad fahren und anschließend erwartet uns noch ein 1,5 Stunden langer Spaziergang.
Am Fuß des Felsens machen Rolf, Birgit und Gerd einen Rückzieher. Ich bin auch kurz versucht wieder mit Gerd zurück zu fahren, verpasse aber dann den Anschluss. Es machen sich also Frank, Heike, Martin, Rüdiger, Jochen, Holger und ich an den Aufstieg. Ich fange schon nach 100 m an zu meckern. Gleich am Anfang der Strecke muss man sich über grobes Geröll sehr steil bergauf quälen. Auch Heike ist sich nicht sicher, ob sie das haben muss. Vor lauter Diskussionen verlieren Heike, Martin, Jochen und ich den Anschluss an die Anderen. Martin war schon einmal hier und kennt den Weg. Nach ein paar hundert Metern sehen wir den Parkplatz wieder vor uns, Martin ist in die falsche Richtung gegangen. Wir drehen um und treffen Holger und Frank, Rüdiger ist zurück zu den Motorräder gegangen um uns zu suchen. Als er wieder zu uns stößt, geht's endlich weiter. Das wird auch Zeit, denn hier wimmelt es nur so vor kleinen, stechenden Viechern.
Der Aufstieg zum Preikestolen ist wirklich nicht einfach. Die Strecke ist 3800 m lang und man überwindet ca. 350 Höhenmeter. Aber die zu durchquerende Landschaft mit Hochmooren, steilen Anstiegen, Seen und Brücken über Schluchten ist die Quälerei wert. Und die Aussicht vom 604 m hohen Preikestolen ist unglaublich.
Mir hat der Aufstieg letztlich nicht besonders viel ausgemacht, aber Jochen ist völlig fertig. Für den Abstieg soll man ebenfalls 2 Stunden einplanen, doch der Hunger treibt uns in 75 Minuten herunter.
Um 21.30 Uhr finden wir eine Pizzeria. In Unwissenheit der Größe, bestelle ich eine Pizza. Es ist eine Familienpizza für 3 Personen. Martin hat ebenfalls eine bestellt, die Anderen Hamburger. Gemeinsam fressen wir uns durch und haben schnell die eben verbrauchten Kalorien wieder drauf.
Nach 23.00 Uhr sind wir endlich in unserem Hotel und Holger und ich fallen gleich ins Bett.